Ein Leckerli hier, ein Leckerli da. Schnell ist die Tüte leer und die Frage steht im Raum:
Hat mein Hund verstanden, welches Verhalten ich belohnt habe?

So manches Leckerli habe ich in einer Hundekehle versinken lassen, das im Grunde nichtssagend für meinen Hund war. „Hach schön, wieder eine Belohnung“, happs und weg..

Wie genau du Belohnungen effektiv einsetzten kannst, damit dein Hund gut lernen kann, beschreibe ich dir heute.

Belohnungsstrategien

Teil 1: Die Immer-Belohnung mit Beachtung des richtigen Timings

Wenn ich ein bestimmtes Verhalten von meinem Hund häufiger sehen möchte, dann verwende ich zunächst die „IMMER-Belohnungsstrategie“. Beispiel: Jedes Mal, wenn mein Hund mich beim Spaziergang anblickt, belohne ich dieses Verhalten.

Gerade aber, wenn mein Hund einige Meter von mir entfernt ist, habe ich das Problem, dass ich nicht innerhalb von 2 Sekunden zu meinem Hund rennen und ihn zeitrichtig belohnen kann. Damit mein Hund eben genau diesen Blick mit meiner Belohnung verknüpft, nutze ich ein Markersignal, das ich zuvor konditioniert habe. Das kann der Click des Clickers oder aber ein Markerwort z.B. das Wort „Gut“ sein.

Das geht dann so: Hund blickt zu mir – „Gut“oder Click – Hund holt sich bei mir die Belohnung ab. Verstanden! 🙂

Die Immer-Belohnung ist also dann gut, wenn eine Verhaltensweise des Hundes häufiger gezeigt werden soll als bisher oder wenn ein neues Signal eingeführt wird, das mein Hund noch nicht kennt.

 

Teil 2: Die variable Belohnung unter Signalkontrolle

Sobald mein Hund verstanden hat, was das Signal bedeutet oder er die gewünschte Verhaltensweise (z.B. ab und zu herschauen) häufiger zeigt, schleiche ich die Leckerli-Belohnungen aus. Ich belohne nur noch jedes 2te, 3te oder 5te Mal, am besten nicht regelmäßig, sonst begreift das mein schlauer Vierbeiner sofort. 😉

Viele Hunde wirken in dieser Phase wie kleine Streber, die das Verhalten ständig zeigen, den Blick bspw. nicht mehr von uns abwenden oder uns nach dem bei Fuß-Training nicht mehr von der Seite weichen, weil sich das Verhalten ja bisher auch immer gelohnt hat.

Wichtig bei der variablen Belohnung auf Signale ist, dass mein Hund nicht belohnt wird, wenn er gerade Lust dazu hat bei Fuß zu gehen oder zu mir zu blicken, weil sonst gerade kein anderer Reiz für ihn interessant ist, sondern den Hund nur dann zu belohnen, wenn er auf das Signal „Schau“ zu mir schaut, auf das Signal „Hier“ zu mir kommt usw.

Verhaltensweisen, die ich ohne Signal verstärkt habe, belohne ich ab und zu, damit der Hund dieses Verhalten zur Gewohnheit werden lässt. Zum Beispiel, wenn mein Hund einen anderen Hund begrüßt hat und danach zu mir läuft und mit mir weitergeht, ohne dass ich ein Signal geben muss oder wenn er mit mir an der immer gleichen Stelle beim Spaziergang stehen bleibt, bevor wir weitergehen. (Routine-Übungen für Hunde)

Teil 3: Die Leckerli-Kette

Wenn mein Hund auf ein wichtiges Signal (z.B. Hier) sofort richtig reagiert, dann könnte ich vor Jubel in die Luft gehen! 🙂
Erst recht, wenn mein Hund zudem von Hunden oder Menschen abgelenkt wurde und dennoch zu mir kommt. Sicher kennst du diese Momente, wo du einfach begeistert bist von deinem Hund und wo du dir denkst, wie du deinem Hund jetzt am besten zeigst, wie toll und lohnenswert dieses Verhalten für dich ist.

In solchen Momenten gibt es bei mir eine Leckerli-Kette. Das sieht so aus, dass ich meinem Hund nicht eine, zwei oder drei Belohnungen beim Herankommen gebe, sondern zügig und bis zu 10 Mal hintereinander! eine Belohnung nach der anderen aus meiner Tasche hole! Schau mal, wenn du das ausprobierst, wie dein Hund dich anschaut! 😀

„Wow, das hat sich gelohnt für den Hund!!“  🙂

So kannst du zudem üben, dass dein Hund nicht sofort wieder von dir wegläuft, sondern eine Weile bei die ausharrt, weil es ja evtl. noch ein paar Belohnungen regnet. Dies kannst du natürlich auch mit der Zeit weiter variieren.

Dein Hund kann sehr gut unterscheiden und wenn er bei einem so wichtigen Signal wie dem „Hier“ so klasse belohnt wird, dann macht das einen Unterschied! Steigern kannst du das noch indem du unterschiedliche Belohnungen verwendest. Beispielsweise die Standardleckerlis für „Sitz“ und gekochte Herz-Leckerlis oder Leberwurstpastete aus der Tube für das „Hier“.

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Eigenkreation aus Dosenfutter und Quark

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gekochtes Herz ist angenehm trocken in der Tasche und seeeehr beliebt bei den Hundchen

 

 

 

 

 

 

 

 

Teil 4: Die funktionale Belohnungsstrategie

Wenn du jetzt sagst, dass das alles nicht passt, denn „mein Hund interessiert sich nicht für Leckerlis oder Spielzeug, er will einfach in der Wiese buddeln oder mit den Hunden toben“, dann habe ich eine gute Nachricht für dich. Wie genau du belohnst, kannst du natürlich von der Situation und von deinem Hund abhängig machen.

Überlege stets „Was ist jetzt die größte Belohnung für meinen Hund„.
Und wenn die größte Belohnung für das ruhige Sitzen nun aktuell das Treffen eines Hundefreundes ist, dann ist das auch okay und vermutlich noch viel lohnenswerter als ein Futterchen. 😉

Beispiele:

Dein Hund will buddeln: Trainiere neben einer schönen Buddelwiese mit deinem Hund 10 Min. bei Fuß. Gehe beim Üben in der Nähe immer wieder auf und ab. Genau dann, wenn es am besten klappt, löst du das Fuß-Signal mit „Lauf“ oder „ok“ auf und lässt deinen Hund zur Belohnung (evtl. an langer Leine) auf der Wiese buddeln. -> Perfekt belohnt ohne ein einziges Leckerli.

Dein Hund will zu seinem Hundekumpel (analog ins Wasser): Lass deinen Hund absitzen und zu dem Hund blicken. Die Leine sollte entspannt sein, sodass dein Hund dem Impuls direkt hinzurennen von sich aus zurückhält. Leine deinen Hund ab und halte deinen Hund noch immer (aber ohne Spannung!) mit der Hand an Halsband oder Geschirr fest. Löse deinen Hund mit einem Signal wie „Lauf“ oder „ok“ auf und gebe ihm damit die Freigabe zu seinem Freund zu laufen. -> Perfekt belohnt ohne ein einziges Leckerli.

Gleichzeitig sind die zwei obigen Beispiele ein wunderbares Training für die Impulskontrolle deines Hundes.

Teil 5: Der Ball / Das Lieblingsspielzeug

Unsere Spielzeugfraktion kann natürlich auch mit dem Ball oder Spieltau belohnen. Gut finde ich ein kurzes Spiel nach einer Übungseinheit, da sich der Hund dann auch körperlich etwas lockern kann. – Wichtig ist natürlich darauf zu achten, dass du nicht deinen Hund mit tausend Leckerlis gefüttert hast und danach ein wildes Spiel beginnst!

Ich finde Leckerlis als Belohnung oftmals praktischer, da die Leckerli-Aufnahme viel ruhiger abläuft, als ein wildes Spiel. Wenn gespielt wird, dann ist es besonders schön, wenn das Spiel am Körper stattfindet, d.h. dass du eher mit deinem Hund ein kleines Zerrspiel machst, als das Spielzeug weit weg zu schleudern, da es dann ja auch erstmal nichts mehr mit dir zu tun hat und in der Regel wollen wir ja eher Bindung schaffen, als den Hund auf die Wiese zu all den anderen Reizen zu schicken.

Hier ein Beispielvideo von Ida und ihrer neuen Besitzerin beim Bindungspiel mit lustiger Jodelmusik im Hintergrund. 😉

Teil 6: Der Jackpot

So habe ich das früher gemacht. Ein gutes Verhalten ergab ein kleines Leckerli und ein super gutes Verhalten ergab eine kleine Hand voll mit Leckerlis, quasi einen kleinen Jackpot. Bisher gibt es allerdings keine Aussagen darüber, ob ein Jackpot wirklich als Jackpot beim Hund ankommt. Von daher kannst du mit deinem Hund ausprobieren, ob ein Jackpot oder die Leckerli-Kette eher dazu führt, dass dein Hund vor stolz ein Stücklein wächst. 🙂