Oft schreibe ich über generelle Dinge oder Hunde Übungen. Das Zusammenleben mit einem Hund erfordert ja aber insbesondere, dass man sich als Team einpendelt und im Alltag aufeinander einstellt. Mit einem zunehmend älter werdenden Hund spüre ich aktuell wieder, dass sich mittlerweile so einiges geändert hat.

Mit vier Monaten habe ich Spike von privat übernommen. Damals war er sehr ängstlich, da er zuvor schon abgegeben und zurückgegeben wurde. Sozusagen Second Hand… Kein Wunder, das der kleine Kerl damals nur Angst hatte, als er bei uns einzog. Er lief nur am Gartenzaun hin und her und wollte weg. Beim Spazierengehen bockte er, – alles war etwas kompliziert. Nach zwei Tagen taute er auf und klebte seither an meiner Ferse, was dann auch wieder nicht so ideal erschien. Als vier Monate alter Rüde pinkelte er noch ohne das Bein zu heben in den Rasen. Er bellte wenn er frustriert war. All das hatte sich bald verändert.

Wir waren von Anfang an in einem Hundeverein, wo ich das ABC mit dem Hund lernen konnte. Dort wuchsen wir zusammen und waren bald ein tolles Hundesport-Team.

Viel Zeit ist seit diesem Bild vergangen. Es gab viele Jahre, indem Spike mich begleitete, vermutlich tausende Kilometer, die er mit wanderte, am Rad lief, Parcoure überwand und Fährten las... Er wohnte im Haus, in der Wohnung, mit der Familie und mit in einer WG (wo er sich auch noch einem Widderkaninchen unterordnen musste) und fuhr hunderte Kilometer Zug mit mir durch die Landschaft.

...und nun ist er 14 Jahre alt. Was er mich aktuell lehrt ist der schleichende Prozess der Regression. Denn nun hat sich nach vielen Jahren wieder der Anfang eingestellt: Er pinkelt wieder im Stehen in den Rasen und bellt wenn er frustriert ist.

Dass seine Hinterbeine langsam immer dünner wurden und die prächtigen Muskeln abbauten, war wohl das erste, was ich vor einigen Jahren bemerkte. Die Trübung auf den Augen zeichnet sich ab und er schaut ins Bad, wenn ich ihn in die Küche rufe. Oft erschrickt er auch einfach, wenn ich plötzlich neben ihm stehe, er hört einfach nicht, aus welcher Richtung ich komme bzw. das ich überhaupt auf ihn zugehe. Unsere Spaziergänge haben sich stark verkürzt und ich bin froh, wenn wir überhaupt bis zur Wiese kommen, denn immer öfter bockt er auf dem Gehweg und will einen früheren Abzweig nach Hause nehmen. Oft reicht es ihm einfach. Er schnuppert dafür gefühlt an jeder Stelle dreimal länger, wo wir vorübergehen. Das lehrte mich bisher Geduld und ein größeres Zeitfenster für die Runde einzuplanen. - Wenn wir schon nicht weit kommen, dann soll er doch wenigstens etwas Schnupperfreude haben.

Damit seine Gelenke wegen der Arthrose nicht schmerzen, bekommt er homöopathische Mittel, ab und zu eine Rymadyll, wenn er einen schlechten Tag hat. Doch statt im Sausemarsch über Wiesen, Wald und Felder zu düsen, gibt es jetzt Pausen an Parkbänken und Baumstämmen. Das Vorbeirauschen von früher hat dem einfachen Dasein Platz gemacht. Ich baumele auf Baumstämmen, blicke in den Himmel und denke über das Leben nach, während mein Oldie sich entspannt in die Wiese legt und sich von der 15-Minuten-"Wanderung" hierher erholt. Viel mehr Ruhe zeichnet unsere Spaziergänge aus. Ich habe mittlerweile sogar mal ein Buch mit dabei, - früher undenkbar. Ich merke dabei, dass auch mir es gut tut, einfach mal zu sein und wahrzunehmen, ohne einem Weg hinterherzueilen.

Die Futterzubereitung und die Pflege haben sich geändert. Das Futter gibt es nun zweimal am Tag und in der Früh dauert die Zubereitung etwa 10 Minuten. Denn außer dem Futter gibt es Kräuterextrakt, Gelenkpeletts, Schilddrüsentabletten und das homöopathische Schmerzmittel mit hinein. Ab und zu auch ein wenig Öl. Bei der Pflege müssen jetzt regelmäßig die Krallen gekürzt werden, da er viel weniger Strecke abläuft und sich die Krallen dadurch nicht mehr ausreichend natürlich abnutzen. Regelmäßig bekommt Spike für die Augen Euphrasia-Tropfen aus der Apotheke. Eine nervende Warze am Augenlid sorgt sonst dafür, dass er ständig gereizte Augen hat.

Hart ist das Älterwerden in solchen Momenten anzusehen, wenn er nach längerer Liegezeit fast nicht mehr hochkommt. Da hilft das Körperband nach TTouch ganz gut. Schmerzhaft anzusehen ist es auch wenn er nicht so schnell bemerkt, das sein Hinterfuß nicht mit den Ballen, sondern mit der Oberseite auf dem Boden steht.

Es gibt aber auch lustige Momente beim Älterwerden des Hundes, z.B. dann, wenn Spike sich schüttelt und sich dann wieder fangen muss, bevor er durch die "Erschütterung" umfällt. Weitere Erscheinungen, wie das Pinkeln in Welpenhaltung oder das "Hoppeln", (wobei er die Hinterbeine wie ein Bein verwendet, um mehr Kraft zu haben) zeigen die Rückschritte deutlich. Das sieht man auch, wenn er ein paar Stufen hochgehen muss. - An Treppen bleibt er nun stehen, denn er schafft es nicht alleine hoch. Er bellt dann frustriert, bis er einen Menschen hinter sich hat, der ihn hochschiebt.

Letztenendes lehrt mich das Altsein meines Hundes auch das Alleinsein.
Seit über zehn Jahren sind Wanderungen und Radausflüge ohne Hund für mich undenkbar. Mit dem Fahrradanhänger kann Spike zwar schon mitgenommen werden, doch längere Touren will ich ihm auch damit nicht mehr zumuten. Am Ende fehlt er bei vielen Aktivitäten, bei denen er früher dabei gewesen ist.

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