Eine Basis-Übung, die für viele Hundehalter lange Jahre eine Herausforderung bleibt, ist der sichere Rückruf mit dem Hund.
Häufige Gründe warum der Rückruf nicht funktioniert und wie du ihn stabil aufbauen kannst, beschreibe ich dir heute in diesem Beitrag und freue mich, wenn du das ein oder andere für dich und deinen Hund entdecken kannst.

Mögliche Gründe, warum der Rückruf nicht klappt

Zu große Distanz und fehlende Kommunikation

Unser Hund ist ein hoch soziales und aufmerksames Wesen – auch, wenn wir das oft nicht so recht glauben wollen, wenn der Hund beim Rückruf nicht kommt… Er nimmt nicht nur wahr, wenn wir ihn beobachten und mit ihm kommunizieren, sondern er bemerkt genauso gut (wenn nicht sogar noch besser), wenn unsere Aufmerksamkeit zum Hund fehlt.

Wenn dein Hund z.B. ohne Ritual wie Absitzen und Freigabe (also unkontrolliert) von der Leine gelassen wird, dann hat er oft schon beim Ableinen was im Blick und den Kontakt zum Halter verloren. Manche Hunde entfernen sich schnell sehr weit vom Halter und wenn ich dann noch auf meinem Handy Nachrichten tippe, ist die Kommunikation von Hund und Halter im Grunde völlig gekappt.

Zu Beginn wird mein Hund (im besten Fall) noch etwas in der Nähe bleiben, bevor er sich dann Stück für Stück immer weiter von mir entfernt und sich schließlich ein „Hobby suchen geht“. Große Distanz zum Hund und fehlende Kommunikation bzw. Interaktion während des Spaziergangs machen es schwierig mit dem Hund in Kontakt zu bleiben. Ohne Kontakt und Aufmerksamkeit zwischen Hund und Halter ist ein Rückruf unmöglich.

Auf große Distanz ist ein sicherer Rückruf schwierig

 

Der Geiz mit dem Leckerli

Viele Menschen wünschen sich, dass ihr Hund zu ihnen kommt, weil er sie lieb hat oder er einfach gern zu ihnen kommen (sollen) möchte. Dieses Wunschdenken verursacht immer wieder Geiz im Leckerlibeutel. Aber es ist doch so: Ein Muskel, den ich nicht mehr betätige schrumpft. Jeder, der sich mal einen Arm o.ä. gebrochen und nach 6 Wochen sein dünnes Gebein betrachtet hat, sieht, wie schnell eine Anpassung vollzogen ist. Der Hund ist seeeeehr anpassungsfähig! Das bedeutet beim Rückruf: Lohnt sich das Verhalten nicht oder nicht mehr, weil Belohnungen jeglicher Art ausbleiben dann wird das Verhalten seltener gezeigt. Ganz einfach. Kein Muskeltraining -> keine Muskeln.

Rückruf aus der (Not-) Situation heraus und ohne Erfolg

Die Schafe stellen eine sehr starke Ablenkung für den Hund dar. Ein Rückruf direkt vor den Schafen ist schwierig – lieber den Hund anleinen, so kann er nichts falsch machen.

Auf der Hundewiese ist es oft beobachtbar: Hund und Halter gehen eine Weile ihrer Wege, kommt dann (plötzlich) ein anderer Hund oder ein Radfahrer in die Nähe, wird der Hund herangerufen. Der Hund wird also oft immer dann gerufen, wenn es einen Grund gibt und sich andere Menschen, Hunde oder andere äußere Reize nähern, von denen man den Hund abhalten will. Für deinen Hund, der den Rückruf evtl. auch ohne Ablenkung noch nicht sicher ausführt, ist diese Situation mit Ablenkung dann einfach (noch) zu schwierig und das Rückruf-Signal verhallt im Wind…
Je häufiger dein Hund auf das Rückrufsignal NICHT reagiert, desto belangloser wird es.

 

Der Rückruf wird „aus Versehen“ regelmäßig bestraft

Ein braver Hund lässt sich abrufen und anleinen, damit ich nach Hause gehen kann. Wird der Hund allerdings jedes Mal angeleint, wenn er gerufen wird, dann wirkt das Signal „Hier“ wie die Ankündigung „Hey, der Spaß ist vorbei!“
Der Rückruf sollte jedoch sicher sitzen und das wird nie funktionieren, wenn mein Hund „Hier“ mit dem Ende von Spaß verknüpft. Dann wirkt das Anleinen wie eine negative Strafe (negative Strafe bedeutet: etwas Angenehmes (Freilauf) wird entzogen). Folge: Der Hund hat einfach keine Motivation (mehr) heranzukommen. Wieso auch – er ist ja nicht blöd 😉

Zurückkommen muss sich lohnen, angeleint und unangeleint

 

5 Tipps für den sicheren Rückruf

1. Bleibe mit deinem Hund in Kontakt. Du brauchst dafür nicht ununterbrochen den Ball zu werfen oder ständig Signale zu geben. Dein Hund soll ja auch Freizeit haben, um seinen natürlichen Bedürfnissen in erlaubtem Rahmen nachzugehen. Übe mit deinem Hund in einem bestimmten Radius bei dir zu bleiben. Unter anderem kannst du das üben, in dem du kurze Kontaktverbindungen, wie den Rückblick deines Hundes und den Handtouch* als zusätzliche Kontaktaufnahme für Zwischendurch markerst und belohnst. Und natürlich indem du mit deinem Hund viel Quatsch in der Natur machst, z.B. zusammen über Steine oder Baumstämme klettern etc.

2. Übe das (immer gleich bleibende) Rückrufsignal („Hier“ oder „Komm“) mit deinem Hund in ablenkungsarmer Umgebung und wenn er gerade völlig unbeschäftig ist und einfach vor sich hin spaziert. Beginne zuhause, dann weiter im Garten und später auf ruhigen Wald-und-Wiesen-Strecken. Rufe deinen Hund sozusagen „ohne Grund“, so dass du und dein Hund richtig viele erfolgreiche Rückruferlebnisse sammeln könnt.

3. Sei stets freigiebig mit Belohnungen und belohne deinen Hund immer für den Rückruf. Wir wollen ja einen starken „Rückrufmuskel“ bei unserem Hund trainieren. 😉
Hochwertige Leckerlis, ein Zerrspiel mit dir oder mit dem, was ihm gerade Spaß macht. In einer Belohnungshierarchie* kannst du notieren, welche die Top 10 Belohnungen deines Hundes sind. Nutze für den Rückruf die Top 3 Belohnungen. Es soll sich lohnen bei diesem wichtigen Signal!

Als Belohnung für den Rückruf ist für Ida neben Wienerle der Wasserspaß das Größte

4. Variiere mit den Belohnungen, sodass dein Hund weiß, er erhält eine Belohnung beim Rückruf, aber der Überaschungseffekt welche Belohnung genau, hält die Übung lebendig und spannend. Mal Leberwurstpaste, mal Zerrspiel, mal ein Stück Wienerle, vielleicht mal nur ein kleiner Keks und dann mal gemeinsam zum Wasser rennen… Die Möglichkeiten sind grenzenlos!

5. Belohne deinen Hund so oft wie es geht funktional für den Rückruf, also mit Dingen, die er gerade gern machen möchte, z.B. mit der Freigabe „Lauf“, das er einfach weiterdüsen darf, ggf. zum Wasser darf, zum anderen Hund darf etc. – Diese Dinge sind den Hunden oft wichtiger als ein trockener Keks. Das kannst du einfach abwägen, je nachdem, wie die Belohnungshierarchie* für deinen Hund aussieht. In einer Ablenkungshierarchie* kannst du zusätzlich notieren, in welchen Situationen dein Hund noch auf Signale reagieren kann, in welchen er schon am Hadern ist und welche Reize deinen Hund unansprechbar machen. Übe dann von unten nach oben das Rückrufsignal in den jeweiligen Ablenkungsstufen, bis dein Hund auch in schwierigen Situationen zu dir kommen kann.

Idas Ablenkungsstufe 4: Sie ist noch abrufbar, wenn sie etwas Gutes riecht. Es ist jetzt schwieriger für sie auf das Rückrufsignal zu reagieren, als wenn sie nur so laufen würde, jedoch leichter, als wenn wir vor einem Teich mit Enten stünden.

 

Bonustipp 😉
Falls du einen Hund hast, der sich gern etwas weiter entfernt, dann trainiere regelmäßig den doppelten Rückruf mit der Hundepfeife. Dein zartes „Hiiiiiieeeeerr“ verhallt viel schneller im Wald, als ein deutliches Pfeif-Signal. Hier ein Beispiel:

 

*Wie du eine Belohnungs- und Ablenkungshierarchie für deinen Hund erstellst und wie dein Hund aufmerksamer auf dich wird, beschreibe ich detailliert im Basis Hundetraining online.